CDU Kreisverband Delmenhorst
  06:56 Uhr | 23.02.2012 Startseite | Kontakt | Impressum    
News-Ticker
Neuigkeiten
25.01.2012, 15:00 Uhr | Martin Teschke, Delmenhorster Kreisblatt Übersicht | Drucken
Delmenhorst geht mit gutem Beispiel voran

Niedersachsens Sozialministerin Aygül Özkan besucht heute um 15 Uhr in Delmenhorst das Stephanusstift am Pestalozziweg.
Das „Delmenhorster Kreisblatt“ sprach im Vorfeld des Besuchs mit der CDU Politikerin über Integration und die Zukunft der Pflege.


dk: Frau Özkan, Sie werben seit Beginn Ihrer Amtszeit dafür, Kinder aus Migrantenfamilien möglichst frühzeitig in die Kita zu schicken. Nun will Ihre Partei ein Betreuungsgeld einführen, das ausgerechnet jene belohnt, die ihre Kinder nicht zur Kita bringen. Sind Sie noch in der richtigen Partei?

Aygül Özkan: Selbstverständlich. Schon allein deshalb, weil wir in der CDU eine sehr lebendige Diskussionskultur haben.
Wir müssen den Familien das anbieten, was für sie das beste ist. Und das ist meiner Meinung nach eine möglichst frühe Sprachförderung.
Wir haben in Niedersachsen 400 Schwerpunktkitas für Sprachförderung gegründet. Und wir haben in unserem aktuellen Doppelhaushalt 40 Millionen Euro zusätzlich für den Ausbau von Kitas in Niedersachsen zur Verfügung gestellt, zusätzlich
zu den kommunalen und den Bundesmitteln.

dk: Das mag so sein. Aber warum geben Sie dann noch Geld aus für Eltern, die diese Sprachförderung umgehen?

Aygül Özkan: Weil Schwerpunktkitas zur Sprachförderung – übrigens auch für deutsche Kinder –nicht der einzige Weg sind.
Mir persönlich sind auch die frühen Hilfen zum Beispiel mit dem Einsatz von Familienhebammen sehr wichtig. Entscheidend ist, wann, wo und wie wir die Menschen erreichen, wenn sie die angeboten Leistungen etwa zur Sprachförderung nicht von selbst abrufen.

dk: Es gibt neuere Untersuchungen, wonach die Initiativen zur Sprachförderung gerade bei Migrantenkindern ins Leere laufen. Offenbar meiden einige deutsche Eltern solche Kitas, wodurch den nichtdeutschen Kindern dann das nötige Sprachumfeld fehlt. Was läuft da schief?

Aygül Özkan: Politik kann nur Gesetze beschließen. Wenn Integration scheitert, dann scheitert sie im Kleinen.
Wir brauchen Vertrauen zueinander – und Zeit. Wenn die Bedingungen sich verbessern, dann werden die Schwerpunktkitas attraktiver, zum Beispiel auch für mehrsprachige Eltern.

dk: Sprachprobleme gibt es auch in einem ganz anderen Bereich. Es häufen sich Berichte, wonach es immer mehr Klinikärzte mit spürbaren Sprachschwächen gibt. Müssen wir Patienten das einfach so hinnehmen?

Aygül Özkan: Zunächst einmal freue ich mich, dass gut ausgebildete Ärzte zu uns kommen. Übrigens ist mein Mann Arzt.
Und der musste in der Tat auch erst die Fachsprache und die Patientenkommunikation lernen. Damit das ganz klar ist: Gute Deutschkenntnisse sind für Ärzte natürlich Pflicht. Im April wird ein neues Gesetz in Kraft treten, wonach sich die Einstellung von Pflegepersonal in Krankenhäusern nicht mehr an der Herkunft, sondern am Stand der Ausbildung orientiert. Und dazu gehört auch ein Sprachnachweis. Ich fordere darüber hinaus die Unternehmen – und auch Krankenhäuser sind ja  Unternehmen – auf, das Pflegepersonal berufsbegleitend zu schulen. Das ist eindeutig Sache der Krankenhäuser.

dk: Fachkräftemangel gibt es nicht nur bei Klinikärzten, auch in der Altenpflege fehlt es an Personal. Was tun Sie eigentlich dagegen?

Aygül Özkan: Wir stehen in Niedersachsen gar nicht so schlecht da. Wir hatten 2008 rund 4600 Schülerinnen und Schüler in der Altenpflege-Ausbildung. 2010 waren es schon 5600. Das ist eine Steigerung um 20 Prozent.

dk: Nach Meinung der Wohlfahrtsverbände reicht das nicht aus. Die AWO fordert, das Schulgeld in Niedersachsen aufzuheben, damit die Altenpflege als Erstausbildung interessant wird. Dagegen ist doch nichts einzuwenden, oder?

Aygül Özkan: Wir werden die monatliche Bezuschussung im Februar von 100 auf 160 Euro anheben. Dadurch sind 80 Prozent der Schüler faktisch vom Schulgeld befreit.

dk: Und wie sieht es mit einer Ausbildungsplatzumlage aus, damit sich endlich alle Pflegebetriebe an der Ausbildung beteiligen?

Aygül Özkan: Ich weiß, dass auch dies eine Herzensangelegenheit der AWO ist. Aber eine Ausbildungsplatzumlage kann man nur dann einführen, wenn es einen Mangel an Ausbildungsplätzen gibt. So lautet halt das Gesetz. Wir haben eben keinen Mangel an Plätzen, sondern einen Mangel an Bewerbern.

dk: Nochmal: Wo sollen denn nun all die Pflegekräfte herkommen?

Aygül Özkan: Neben den Auszubildenden kümmern wir uns um Quereinsteiger und darum, die bereits ausgebildeten Fachkräfte zu halten. Als einziges Bundesland finanzieren wir den Quereinsteigern das dritte Umschulungsjahr. Und im Pflegepakt haben wir vereinbart, die Gesundheitsprävention in Altenpflegeheimen voranzutreiben. Damit die Menschen dort gern arbeiten.

dk: Die Menschen würden sicher in weitaus größerer Zahl in die Pflegeberufe strömen, wenn diese Tätigkeit besser bezahlt würde. Wenn es um die Pflegekostensätze geht, sieht es aber gerade in Niedersachsen im westdeutschen Vergleich besonders schlecht aus. Wie soll es denn so vorangehen?

Aygül Özkan: Gute Pflege muss auch bezahlbar bleiben. Im Übrigen ist die Höhe der Pflegekostensätze nicht Sache der Politik, sondern der Tarifpartner. In Niedersachsen ist das Niveau der Pflegesätze sehr unterschiedlich. Nach unseren Erhebungen verlangen 60 bis 70 Prozent der Pflegeeinrichtungen gar keine höheren Sätze. Ich fordere daher die Betreiber von Pflegeeinrichtungen in Niedrigpreisregionen auf, möglichst bald mit den Kassen zu verhandeln. Wer sich für höhere Pflegekostensätze einsetzt, erhält im Schnitt 2,5 Prozent mehr.

dk: So etwas zu fordern, ist ja schön und gut. Aber wird das auch überprüft?

Aygül Özkan: Wir werden uns das im Rahmen unserer Überprüfung der Ergebnisse des Pflegepakts im November dieses Jahres genau ansehen. Delmenhorst ist da übrigens schon mit gutem Beispiel voran gegangen. Von 47 Pflegeregionen in Niedersachsen liegt Ihre Stadt auf Rang 8.


Ältere Artikel finden Sie im Archiv.
Termine
 Seite drucken |  Seite senden |  Kontakt |  Nach oben

© CDU Kreisverband Delmenhorst | Realisation: Sharkness Media 0.39 sec. | 15629 Views